Neben Uwe Daum war Theo Weiss der Borussenfan, den ich fast am längsten aus der aktiven Szene kannte. Am Ende waren fast 42 Jahre, in denen dieser tolle Mensch zu den Typen gehörte, die ich immer am liebsten in irgendeinem Stadion dieser Republik getroffen habe.
Theo Weiss war der Typ Mensch, der tausend Ideen hatte und immer – wirklich immer – versucht hat, diese umzusetzen. Dass das nicht immer funktioniert hat, muss ich nicht extra erwähnen. Aber die richtig guten Einfälle waren immer ein Erfolg und grundsätzlich für die Ewigkeit geschaffen.
Ich persönlich habe Theo am 28.01.1984 kennengelernt. Wir haben damals unseren Fan-Club „Wuppermönche“ gegründet und wollten uns für die „IG der Borussia Fan-Clubs“ anmelden. Als Ansprechpartner wurde im „Fohlen-Echo“ ein gewisser Theo Weiss vom Borussia-Fan-Club „Siegerland“ genannt.
Hinter Block 16, am altehrwürdigen Bökelberg, trafen wir ihn – und wurden direkt mit einer dieser fixen Ideen konfrontiert, die nicht ganz so prickelnd waren, wie vieles, was danach noch erfolgreich aus diesem kreativen Köpfchen kam.
Er wollte an diesem Tag mit den Fans unseres Gegners Kickers Offenbach eine Fanfreundschaft in die Wege leiten. Dafür hatte er zum Beispiel die Fan-Clubs der Offenbacher angeschrieben und eingeladen, nach dem Spiel eine geile Party zu feiern.
Es gab sogar extra Freundschaftsaufnäher, die an diesem Tag verkauft wurden. Doch aufgrund der riesigen Anzahl von Kickers-Fans – es waren abgezählte OFCler 13 angereist – fiel die komplette Freundschaft inklusive Party ins Wasser.
Aber von solchen Pleiten ließ sich unser Theo nie abhalten. Und alles, was danach kam, ist pure Fanbetreuungsgeschichte.
Die „IG der Borussia-Fan-Clubs“, der Borussia-Fan-Club „Spreeborussen“, das „Fanprojekt Mönchengladbach e.V.“ und schließlich der erste, fest vom Verein angestellte Fanbeauftragte der Bundesliga – alles Ideen, die er zwar nicht alleine umgesetzt hat, die aber in seinem Kopf ihren Anfang genommen haben.
Ich möchte gar nicht mit zu vielen Daten und Zahlen langweilen, aber zwei Anekdoten möchte ich doch erzählen:
Theo hatte zu Beginn der Gründungsphase des Fanprojekts einen Termin mit Helmut Grashoff und wollte dort über Zuschüsse reden. Eigentlich war unser Tausendsassa kein Typ, der Schiss vor einem solchen Gespräch hatte, aber der Name Helmut Grashoff ließ seine Glieder dann doch ganz gehörig schlottern.
Nun saßen sich die beiden also im Büro von Herrn Grashoff gegenüber – und jeder von Euch, der Theos „Modegeschmack“ aus den 1980er-Jahren kannte, weiß, dass das ein Bild für die Götter gewesen sein muss.
Auf der einen Seite der knallharte Fußballmanager, auf der anderen Seite Theo, der auch mal Jogginghosen auftrennte, um die Lücken mit einem ganz anderen Stoff wieder zu schließen.
Grashoff fragte ihn dann, wie viel Geld er denn für das Fanprojekt haben möchte.
Theo, etwas überrumpelt von dieser Direktheit, sagte „20.000 DM“.
Grashoff erwiderte „10.000 DM“ – und damit war der Deal in trockenen Tüchern.
Später erzählte Theo uns, dass er davon ausgegangen war, Borussia würde vielleicht die Briefmarken finanzieren, aber niemals hätte er gedacht, so einfach an eine solche Summe zu kommen.
Die zweite Geschichte ist ein paar Jahre vorher passiert und zeigt den organisatorischen Chaoten, den er gerne mal freiließ.
Da wohnte er schon in Berlin, war zu dem Zeitpunkt noch 1. Vorsitzender der „IG“ und bat mich, beim nächsten Heimspiel die „IG“-Versammlung zu leiten, da er an diesem Tag nicht aus Berlin anreisen würde.
Er hätte alle Fan-Clubs eingeladen, und das Meeting sollte in einer Kneipe auf der Eickener Straße stattfinden. Dabei handelte es sich um eine Kneipe, die kurz vor der Eickener Kunstgalerie lag, der Eingang ein bisschen nach hinten versetzt.
Für mich war klar, dass er schon alles vorbereitet hatte und der Kneipenwirt darüber informiert war, dass wir da abends einfallen würden.
Als ich dann trotzdem vor dem Spiel noch einmal auf Nummer sicher gehen und nachfragen wollte, ob abends alles klar ginge, war aus der Kneipe mittlerweile ein argentinisches Steakhaus geworden. Definitiv kein Ort, an dem Fußballfans abends eine Versammlung mit Gelage hätten abhalten können.
Okay, ein Gutes hatte das dann doch: Nur zwei Wochen später erhielten wir die Zusage einer Kneipe namens „Reumers“, die danach Kultstatus erreichte und jahrelang der Treffpunkt für uns Borussen war.
Es gibt noch viele Anekdoten zu unserem Freund Theo:
Als er von jetzt auf gleich aus einer U-Bahn stürzte und die verdutzten Spiecker und B.K. einfach sitzen ließ – zu dem Zeitpunkt zwei absolute Berlin-Greenhörner.
Oder als er es auf der Zugfahrt von Mönchengladbach nach Guimarães schaffte, eine schokoladentafelgroße Platte Dope allein wegzurauchen.
Das war unser Theo. Ein richtiger Typ. Einer der größten Borussenfans aller Zeiten.
Und über die Jahrzehnte hinweg ein echter Freund, den ich persönlich am Ende 41 Jahre kannte.
Machet joot, Du verrückter Chaot. Mögest Du in der himmlischen Nordkurve mit all den anderen,
von uns gegangenen Borussen, eine geile „Bis-in-alle-Ewigkeit-Party“ feiern.
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Auch hier ist der Account "Spieckers-Corner", unter dem Ihr Inhalte zu "Kreischende Badekappen" findet. Ferner wie bei den anderen Auftritten im Netz alles Wissenswerte rund meine Ansichten...
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